Das Wetter im anthropozänen Zeitalter macht keine Faxen. Die Treibhausgas-Emissionen der industrialisierten Welt führen zu einer wärmeren Atmosphäre. Der Energiehaushalt der Erde verändert sich, Temperatur- und Niederschlagsextreme nehmen zu. In Mitteleuropa werden beispielsweise lokale Starkregenereignisse häufiger. Sie mögen faszinierend zu beobachten sein, aber allerspätestens wenn man ihre Zerstörungskraft am eigenen Leib erlebt, muss klar werden, welche unkontrollierbare Gewalt wir heraufbeschworen haben.


Der Sommer 2026 war ebenfalls von Extremwetter geprägt, allerdings vorwiegend Trockenheit und Hitze. Er war nach 2003 der zweitwärmste seit Aufzeichnungsbeginn. Mehrere, teilweise direkt aneinander anschließende Hitzewellen mit Temperaturen bis zu 40°C lasteten auf Umwelt und Menschen.


Für Mitteleuropa traf es Frankreich wahrscheinlich am schlimmsten. Neben den verheerenden Waldbränden in den Kiefernmonokulturen bei Bordeaux gab es um die Pyrenäen schwere Stürme, sogar einen Tornado mit amerikanischer Zerstörungskraft.
Unsere Reisegruppe hatte Mitte August das Basislager für die Sonnenfinsternis im französischen Baskenland. An zwei Abenden trafen uns Ausläufer von schweren Gewittern, die landeinwärts wüteten. An der Küste hatten wir dagegen Gelegenheit, ein seltenes Wolkenphänomen in wunderbarer Ausprägung zu erleben.
Mammatus-Wolken erscheinen als traubenförmige Ausbeulungen, besonders dramatisch bei Sonnenuntergang. Da sie meist an den Rändern von Cumulonimbus-Wolken sitzen, ist ihre Botschaft lapidar ausgedrückt: „Sind wir nicht hübsch? P.S.: Hier kanns gleich richtig abgehen. Lauf! :)“ In der folgenden Nacht fielen auch tischtennisball große Hagelkörner, diese hatten aber zumindest an unserem Standort nicht genug Geschwindigkeit, um größere Schäden anzurichten.


Mammaten können auch in Deutschland beobachtet werden, hier erscheinen sie aber meist nicht so surreal. Hier ein Beispiel aus dem vorherigen Jahr:

Zurück in Süddeutschland dachte ich, nach Regenbögen, Gewittern, Mammaten, und Sonnenfinsternis alles abgehakt zu haben, was an Himmelserscheinungen für die Sommermonate 2026 absehbar war. Ich freute mich auf eine Fotopause vor dem Beginn der Nebelsaison. Nunja:

Das ist kein (irdischer) Mega-Scheinwerfer, sondern eine optische Täuschung. Ein Lichtstrahlenbündel scheint durch eine Wolkenlücke im Rücken der Kamera. Die gebrochenen Strahlen der tief stehenden Abendsonne reichen so weit über den Himmel, dass sie sich am gegenüberliegenden Horizont verkürzen. So erscheint eine Fächerform, die es eigentlich nicht gibt. Das Phänomen ist so selten, dass nicht einmal eine deutschsprachige Wikipedia-Seite dazu existiert, daher hier die englische.
Im Dronenbild unten links ist der Ursprung besser nachvollziehbar:

Und als ob der Todesstrahl nach Südosten nicht genug gewesen wäre, zog zeitgleich im Osten eine Gewitterzelle ab, die von der Abendsonne zum explodierten Vulkan inszeniert wurde.
