Licht – Farbe – Struktur gestaltet von Daniela Illing
Wolkenmeer (+ Prozess)
Die Hohenloher Ebene hat beeindruckende Flusstäler mit Nebelwogen. Leider ist das fotografisch schwierig festzuhalten, weil erhöhte Standorte rar sind: Entweder unter dem Nebel sein oder darin, ein Außerhalb gibt es selten. Drohnenkameras erleichtern das, ‚außerhalb‘ ist in ihrem Fall dann einfach ‚drüber‘.
Schloss Langenburg Anfang September, die Zelte der fürstlichen Gartentage sind noch nicht abgebaut. Die zarten Nebelschwaden geben den Blick auf das Jagsttal frei. Der Himmel voll grandioser Pastellfarben musste tatsächlich abgeschnitten werden, weil er die Gesamtwirkung überfrachtet hätte. Das obige Bild ist kein Einzelfoto, sondern ein Panorama aus zwölf Aufnahmen. Nach weiteren Übungen über die nächsten Wochen ließ sich das auf bis zu 40 Aufnahmen für ein Panorama steigern. Dabei geht es nicht nur um Pixelmaximierung, sondern auch um die bewusste Ausnutzung der damit verbundenen Verzerrungseffekte. Das schafft Spannung und einen gesteigerten Eindruck von Weite. Automatische Panorama-Funktionen funktionieren je nach Drohnenmodell mäßig bis gut, lassen allerdings wenig Einflussmöglichkeiten. Deshalb erstelle ich Panoramen immer manuell am Rechner, nicht mit der internen Automatik der Drohne selbst. Nach einigen erfolglosen Morgenflügen harmonierten Anfang November Nebenhöhe und -dichte mit einem freien Himmel. Die Sonne ist gerade hoch genug über dem Horizont, um sich im aufsteigenden Dunst zu brechen. Die Wogen von Nebel branden aus dem Jagsttal an die Schlossmauer.
Mit noch mehr Bewegung statt Farbe arbeitet eine Ansicht, die wenige Minuten vorher entstand:Das Bild oben zeigt fertig zusammengefügtes, nachbearbeitetes und beschnittenes Panorama aus 24 Einzelfotos in drei Reihen. Der Prozess dahin: Die (Haupt)kamera von Drohnen ist häufig ein Weitwinkel ums 25mm-Äquivalent. Für ausladende Motive muss oft etwas Distanz aufgebaut werden. Das ist nicht immer rechtlich möglich oder situativ klug. Im konkreten Fall hier ging es auch darum, die Pixelzahl des Gesamtbildes zu erhöhen, um Unschärfen und Bildrauschen durch Runterrechnen auszugleichen. Meine Drohne gehört ins günstigste Preissegment. Extreme Lichtkontraste innerhalb eines Einzelfotos (wie hier Gebäude im Gegenlicht) überfordern die Automatik, die RAW-Qualität ist dürftig. Deshalb wurde jedes Foto als 5-Stufen-Belichtungs-Bracketing geschossen und manuell zusammengesetzt, bevor es zum Panorama-Puzzleteil wurde. Das Bildbearbeitungsprogramm automatisiert das Zusammensetzen, braucht aber Erfahrung: Photoshop orientiert sich an den untersten Fotos des Stapels zur Auswahl der passendsten Segmente aus den Bildern darüber, trifft zuweilen eigenwillige Entscheidungen für Belichtungsausgleiche. Am Bildschirm sieht das dann so aus:Die Andeutung des Gesamtbilds wirkt schon brauchbar. Wenn nur nicht irgendwer den Aufnahmewinkel falsch eingeschätzt hätte, wodurch 1-2 Fotos für die untere rechte Ecke fehlen. Mist. Aber bei dieser Distanz ist es kein Problem, Nebelwald und Himmelssegment aus anderen Panoramen zu borgen. Also werden die Einzelfotos verschmolzen und das neue Gesamtbild weiterbearbeitet:Tonnenförmige Panoramen verzerren stark an den Rändern, aber der Wald war wetterbedingt eh diffus, die manuelle Entzerrung dieses Bereiches opferte also wenige Details. Auch war der linke Rand eher uninteressant, weshalb das Bild nach rechts zugeschnitten wurde und das Schloss vom Zentrum in die linke Bildhälfte rückte. Danach folgten nur noch wenige Farb- und Kontrastanpassungen. Scheinbar unaufällig, aber sehr wichtig war die Reduzierung der Blauwerte für den Himmel. Das verfremdet zwar die natürlichen Verhältnisse bei der Aufnahme, wirkt aber beruhigend fürs Auge und betont die Herbstfarben.Im fertigen Panorama ist der Nebel dynamischer, mehr Details des Waldes sichtbar und auch der Blick auf einzelne Bauten der Altstadt wird freigegeben. Zeitgleich mit dem leicht erhöhten Kontrast wurde die Rot-Sättigung minimal zurückgenommen – die Schlossdächer wirken so natürlicher.
Ein scheinbar undurchdringliches Wolkenmeer kann ebenso spannend wirken, war aber für ein anderes Panorama angemessener: Eine Ansicht wenige Minuten vorher, aus etwas südwestlicherer und niedrigerer Perspektive:Das Bild ist ruhiger und hat weniger Tiefe, da in der Minute vor dem Sonnenaufgang geschossen. Dadurch wird der Blick stärker auf Schloss und farbiges Laub gelenkt.Nach Sonnenaufgang begann der Nebel schnell diffus Richtung Hochebene zu wandern, die Schlossansicht wurde zunehmend unscharf. Zum Abschluss gelang noch ein Blick aus Südosten Richtung Westen mit untergehendem Mond.